Vor nunmehr 25 Jahren hat Winfried Marotzki in seinem „Entwurf einer strukturalen Bildungstheorie“ eine Neufassung des Bildungsbegriffs vorgeschlagen und damit eine bis heute anhaltende Diskussion angeregt. Bildungsprozesse werden dort als höherstufige Lernprozesse verstanden, bei denen nicht nur neues Wissen angeeignet wird, sondern auch das Welt- und Selbstverhältnis des Subjekts eine grundlegende Transformation erfährt (vgl. Marotzki 1990: 32ff.). Diese Neufassung, die u. a. von Arbeiten Helmut Peukerts (1984) und Rainer Kokemohrs (1989) inspiriert war, ist seither von verschiedener Seite aufgegriffen und weiterentwickelt worden. So haben u. a. Rainer Kokemohr, Arnd-Michael Nohl und ich selbst Arbeiten vorgelegt, in denen diese Auffassung von Bildung unter Bezug auf unterschiedliche Theoriekontexte weiter ausbuchstabiert und anhand empirischer Beispiele entfaltet wurde (vgl. Kokemohr 2007, Nohl 2006, Koller 1999 und 2012).