Einstellung zur postmortalen Organspende und Spendeverhalten von intensivmedizinischem Personal in Deutschland , Einstellung zur postmortalen Organspende und Spendeverhalten von intensivmedizinischem Personal in Deutschland

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Autor/in:
Beteiligte Person:
  • Kluge, Stefan (Prof. Dr.)
Verlag/Körperschaft:
Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky
Erscheinungsjahr:
2016
Medientyp:
Text
Schlagworte:
  • Organspende
  • Spendeverhalten
  • Intensivmedizin
  • Transplantation
  • Organspendeskandal
  • 610 Medizin, Gesundheit
  • 44.00 Medizin: Allgemeines
  • ddc:610
Beschreibung:
  • Zur Erfassung der Einstellung gegenüber der postmortalen Organspende und dem Spende-verhalten intensivmedizinischen Personals in Deutschland wurde ein 15 Punkte umfassen-der Fragebogen im Rahmen des im Dezember 2012 stattfindenden Kongresses der „Deut-schen interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin“ (DIVI) an alle Teilnehmenden ausgeteilt. In Bezug auf die primäre Zielsetzung dieser Arbeit konnte gezeigt werden, dass die über-wiegende Mehrheit des intensivmedizinischen Personals in Deutschland die Organspende befürwortet (80,70%). Die Neuerungen des Transplantationsgesetzes in Bezug auf die Entscheidungslösung werden hingegen von einer Minderheit (40,60%) als positiv beurteilt. Die Allokationsmanipulationen und die damit verbundene Diskussion des Themas Organ-spende führte zum Zeitpunkt der Datenerhebung bei einer Minderheit der Befragten (45,70%) zu einer Haltungsveränderung, die wiederum mehrheitlich (72,80%) negativ ausfiel, während dies jedoch keinen messbaren Einfluss auf die Spendebereitschaft hatte. Als persönliche Gründe, die gegen eine Organspende sprechen, wurden am häufigsten die Nichtakzeptanz des Hirntodkonzeptes (40,80%), der Angst vor Missbrauch durch Organ-handel (27,80%) und die fehlende Unversehrtheit des eigenen Körpers (11,50%) genannt. Der wichtigste Grund für die geringe Rate der postmortalen Organspende wurde vor allem in einem Informationsdefizit der Allgemeinbevölkerung (69,70%) gesehen, gefolgt von Organisationsmängeln im Transplantationswesen (52,10%), Ängsten der Bürger (49,00%) sowie einem Informationsdefizit der Ärzte (24,40%). Die Minderheit der Befragten gab mit 44,60% an, ihre Entscheidung die Organspende betreffend ihrer Familie/Freunden mitgeteilt zu haben. Die Frage nach der Notwendigkeit der Diskussion eines Herztodkon-zeptes indes brachte kein eindeutiges Ergebnis hervor. Sekundär zeigten sich signifikante Unterschiede zwischen intensivmedizinischem Perso-nal und Allgemeinbevölkerung in Bezug auf die postmortale Organspende (80,70% vs. 68%), den Besitz eines Organspendeausweises (45,40% vs. 28%), die Annahmebereit-schaft eines Spenderorgans (45,60% vs. 83%) und das Meinungsbild zur Neuregelung der Befragung der Bürger durch die Krankenkassen betreffend (positiv: 40,60% vs. 76%). Weiterhin zeigte sich im Vergleich der hier vorliegenden Arbeit mit der von Breidenbach et al ein signifikanter Unterschied in Bezug auf die Organspendebereitschaft (80,70% vs. 71%). Ebenso konnte ein signifikanter Unterschied, die postmortale Organspendebereit-schaft betreffend, zwischen Ärzten und Pflegekräften mit 84,65% respektive 77,02% (p= 0,008) gezeigt werden. Es gaben signifikant mehr der Befragten, die in einem Krankenhaus ohne neurologisch- oder neurochirurgische Abteilung tätig waren, den Besitz eines Spendenausweises an (73,71% p= 0,011) sowie mit 72,49% (p= 0,00) derjenigen der Befragten, die zuvor eine Spendenbereitschaft angaben. Mit 39,25% respektive 21,26% gaben signifikant mehr der Befragten, die einen Organspendeausweis besaßen, eine Haltungsveränderung an, wobei diese wiederum von signifikant mehr Besitzern eines Organspendeausweises als negativ beurteilt wurde (93,80% vs. 79,63% p= 0,007). Fast identische Ergebnisse ergaben sich bei der als negativ angegebenen Haltungsveränderung in Abhängigkeit von der Bereit-schaft zur Organspende mit 93,38% respektive 79,17% (p= 0,001). Ebenso konnte gezeigt werden, dass mit zunehmendem Alter und einer zunehmenden Berufserfahrung die nega-tive Haltungsveränderung signifikant im Sinne eines Trendwertes abnahm (J-T-Test: Al-ter p= 0,001, Berufserfahrung: p= 0,011). In Bezug auf die Information der Familie über die Entscheidung die Organspende betreffend, zeigte sich, dass signifikant mehr derjeni-gen zur Organspende bereit waren, die diese Entscheidung nicht mitteilte (89,51% vs. 81,76%; p= 0,00). Dieses Ergebnis stellt insofern eine Besonderheit dar, da es absolut konträr zu den erzielten Ergebnissen der spanischen Studien steht (Vgl. 4.5.3). Mit 61,82% gaben zudem signifikant mehr Fach- als Oberärzte keine Entscheidungsmitteilung an. Ebenso war mit 55,37% die absolute Mehrheit derjenigen bereit ein Spenderorgan anzunehmen, die zuvor ihre Organspendebereitschaft negiert hatten, was einen signifikant geringeren Anteil im Vergleich zu den "Spendebereiten" mit 74,77% (p= 0,00) darstellt.
Lizenzen:
  • http://purl.org/coar/access_right/c_abf2
  • info:eu-repo/semantics/openAccess
  • No license
Quellsystem:
E-Dissertationen der UHH

Interne Metadaten
Quelldatensatz
oai:ediss.sub.uni-hamburg.de:ediss/6738