Der Sieg der liberalen Weltordnung im Kalten Krieg weckte Erwartungen, der Westen könne die Weltprobleme lösen, von Menschenrechten über Regimewechsel bis zur Friedensdividende. Die Chancen wurden verpasst, weil der Westen seine Expansion fortsetzte und eigene Werte durch Militärinterventionen, Globalisierung, technologische Dynamik, soziale Spaltung, und Umweltbelastung untergrub. Je mehr die Allianz aus Wachstum, Macht und Gewalt auf Grenzen stieß, umso stärker wurde die Welt verwundbar gegen Nationalismus und Rechtspopulismus, religiöse und ethnische Differenzen, Flucht und Klimawandel, politische und ökonomische Instabilität. Dieser Beitrag regt eine selbstkritische Debatte über den westlichen Einfluss auf heutige Krisen an, um zukünftige Herausforderungen zu bewältigen. Hierzu gehören die nachhaltige Transformation des fossilen Kapitalismus; Machtverschiebungen im Nord-Süd-Verhältnis; und der Einfluss von sozialen Netzwerken auf die Demokratie. Statt durch Dominanzstreben die Selbstzerstörung zu riskieren, ist es konstruktiver, das normative Projekt des Westens in eine nachhaltige Friedenssicherung zu entwickeln, die das Zusammenleben im Gemeinsamen Haus der Erde ermöglicht.
The victory of the liberal world order in the Cold War raised expectations that the West could solve the world’s problems, from human rights to regime change and the peace dividend. Opportunities were missed as the West continued its expansion, undermining its own values through military intervention, globalization, technological dynamism, social division, and environmental degradation. The more the alliance of growth, power, and violence encountered limits, the more the world became vulnerable to nationalism and right-wing populism, religious and ethnic differences, forced displacement and climate change, political and economic instability. This contribution aims to stimulate a self-critical debate on the Western influence on today’s crises in order to address future challenges. These include the sustainable transformation of fossil capitalism; power shifts in North-South relations; and the influence of social networks on democracy. Rather than risking self-destruction by striving for dominance, it is more constructive to evolve the normative project of the West into sustainable peacebuilding that enables coexistence in the Common House of Planet Earth.