Therapieumstellungen bei antiretroviral vorbehandelten HIV-infizierten Patienten mit Hilfe des Expertenrat-Systems Radata Analyse des Therapieverlaufes
Klinische Studien legen den Nutzen von Expertenempfehlungen als Möglichkeit einer Optimierung einer antiretroviralen Therapie (HAART) bei HIV-positiven Patienten mit multiresistenten Virusstämmen nahe. Das Online-System Radata wurde entwickelt um Expertenempfehlungen zur medikamentösen Behandlung HIV-Infizierter anzubieten. Diese Studie untersucht die Effektivität von Expertenempfehlungs-gestützten Umstellungen der antiretroviralen Therapie bei Patienten mit Drei-Klassen Therapieversagen. Hierfür wurden die virologischen und immunologischen Verläufe von Patienten mit mindestens drei vorangegangen Therapieregimen analysiert, die mit jeweils mindestens einem Vertreter der Medikamentenklassen nukleosidale Reverse-Transkriptase Inhibitoren (NRTI), nicht-nukleosidale Reverse-Transkriptase Inhibitoren (NNRTI) und Protease Inhibitoren (PI) behandelt wurden. Veränderungen der HIV-RNA Werte und der CD4-Zellen wurden alle drei Monate evaluiert. Zudem wurden neu aufgetretene AIDS-definierende Erkrankungen und erneute Therapieumstellungen dokumentiert. 183 Patienten mit einer medianen Baseline-Viruslast von 3,90log Kopien/ml (1,88-6,54log) und einer initialen CD4-Zellzahl von 298c/µl (5-910c/µl) waren für die Analyse geeignet. Die Patienten hatten im median sieben vorangegangene Therapieregime und eine Dauer der Vortherapie von 83 Monaten. Im Median waren zur Baseline 3 (0-8) NRTI-, eine (0-4) NNRTI- und 3 (0-13) PI-assoziierte Resistenzmutationen nachweisbar. Trotz verfügbaren Resistenzanalysen und Expertenempfehlungen wurden im neuen Therapieregime zu 66% (n=119) keine potentiell aktiven Substanzen eingesetzt. Die HI-Viruslast sank im Median nach einem Jahr um 0,61log, nach zwei Jahren um 0,92log, während die CD4-Zellen in dem Zeitraum im Median um 9c/µl, bzw. 25c/µl anstiegen. Es konnten keine Unterschiede bezüglich Zahl der Vorbehandlungen oder der Anzahl eingesetzter aktiver Substanzen gefunden werden. Während des Beobachtungszeitraumes traten bei 15 Patienten 20 neue AIDS-definierende Erkrankungen auf. Der Median der CD4-Zellen lagen bei Erkrankungsmanifestation bei 86c/µl (0-433c/µl), die mediane Viruslast lag bei 4,48log (<1,40 - 6,29log). Weiter wurde bei den Untersuchten Patienten im Beobachtungszeitraum in 175 Fällen eine erneute Umstellung der HAART vorgenommen. Als häufigste Gründe hierfür wurden Therapieversagen (n=44) und auftretende Nebenwirkungen (n=39) angegeben. Trotz extensiver Vorbehandlung und multipler Resistenzen gegen die verordnete HAART konnte bei den untersuchten Patienten ein Abfall der HI-Virulast und ein stabiles Niveau der CD4-Zellen über die Studiendauer beobachtet werden. Daraus ist zu schließen, dass sich eine Aktivität antiretroviraler Therapieregime nicht ausschließlich durch gängige Modelle zur Resistenz gegen antiretrovirale Substanzen erklären lässt.
BACKGROUND: Clinical studies suggest expert recommendations as a possibility to optimize highly active antiretroviral therapy (HAART) in patients with multi-drug resistant virus strains. An online system (RADATA) has been developed to provide expert advice for the drug therapy of HIV-infected patients. OBJECTIVE: To evaluate efficacy of expert-advice-guided HAART switch in patients with triple class failure METHODS: Virological and immunological outcome of patients with at least 3 prior ART regimens including NRTI, NNRTI and PI use were analysed. Changes in HIV-RNA and CD4-cell count were evaluated every 3 months. RESULTS: 183 patients with a median baseline viral load of 3.90log copies/mL (1.88 - 6.54log) and CD4-cell count of 298c/µl (5-910c/µl) were eligible for analysis. Patients had a median of 7 prior ART regimens and a treatment duration of 83 months. A median of 3(0-8) NRTI-, 2(0-7) TAMs, 1(0-4) NNRTI- and 3(0-13) PI-associated resistance mutations were present at baseline. Despite available resistance analyses and experts recommendations 66% (n=119) of the patients started new ART regimen without any active drugs according to the resistance analysis. HIV-RNA declined in median of 0.61log and 0.92log after 12 and 24 months, respectively. CD4-cell count rose by a median of +9c/µl and +25c/µl. No significant differences related to number of prior regimens or number of active substances used could be found. Within the study period, 20 AIDS-defining events occured in 15 patients. The median CD4-cell count in these patients was 86c/µl (0-433c/µl), median viral load was 4,48log (<1,40 - 6,29log). Furthermore, 175 ART regimen changes were registered. Reported reasons for changes were mainly virological failure (n=44) followed by adverse drug effects (n=39). CONCLUSION: Despite extensive pre-treatment and multiple resistances against prescribed HAART, patients demonstrated a decline in viral load and a stable CD4-cell count over the observation period. Thus, activity of antiretroviral regimens is not exclusively explained by current algorithms used for estimation of antiretroviral drug activity.