DFG-Kolleg-Forschungsgruppe "Zukünfte der Nachhaltigkeit"
Beschreibung:
Nachhaltigkeit scheint ein Leitbild zu sein, das überall in der Gesellschaft weitgehende Zustimmung erfährt. Kaum eine Organisation oder Partei, die sich Nachhaltigkeit nicht auf die Fahne geschrieben hätte. Gleichwohl findet sich Nachhaltigkeit als Zielvorstellung, Handlungsnorm und soziale Praxis nicht überall gleich in der Gesellschaft verteilt. Tatsächlich ist Nachhaltigkeit eine sozial umkämpfte Kategorie, um deren Geltung sich gesellschaftliche Konfliktlinien organisieren, sozialstrukturelle Spannungen und politisch-kulturelle Polarisierungen entstehen.Diese soziale Konflikthaftigkeit von Nachhaltigkeit lässt sich am besten als Streit um die Geltung von Lebensführungen und Rangordnungen begreifen, der sich am Dissens über ökologische Wertigkeiten entzündet. In der soziologischen Untersuchung dieser Konfliktarena führt die Entgegensetzung von sozialstrukturellen und kulturellen Ursachen nicht weiter, da ökologische Nachhaltigkeit ebenso materielle Interessen wie sinnhafte Orientierungen berührt. Konflikttheoretisch resultiert daraus die Einsicht, dass der Streit um Nachhaltigkeit mehr als nur Spannungen erzeugt, sondern Anlässe für gesellschaftliche Spaltungen bietet. Nur eine soziologische Analyse, welche die auseinanderstrebenden Logiken der Lebensführung als Ursprünge von Nachhaltigkeitskonflikten identifiziert, scheint in der Lage, deren gesellschaftliche Sprengkraft adäquat zu erfassen.