Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky
Erscheinungsjahr:
2003
Medientyp:
Text
Schlagworte:
chronische Urtikaria
FcepsilonRIalpha-Autoantikörper
autoimmun
Fcepsilon-Rezeptor
Epiphänomen
610 Medizin, Gesundheit
44.93 Dermatologie
ddc:610
Beschreibung:
Die chronische Urtikaria (CU) ist nach wie vor eine polyätiologische Erkrankung, bei der der Nachweis von FcepsilonRIalpha-Autoantikörpern (AA) bei 30-60% der Patienten auch auf eine autoimmune Genese hinweist. Das Ziel der vorliegenden Studie war es, die klinische, diagnostische und therapeutische Relevanz dieser AA zu untersuchen. Mittels eines Immunoblot-Verfahrens konnten in einem Patientenkollektiv von n=138 nur bei 19.6% (27/138) AA im Serum nachgewiesen werden. In kaum einem betrachteten Merkmal unterschieden sich dabei AA-positiven Patienten signifikant von AA-negativen Patienten: Epidemiologie, durchschnittliche Dauer der Urtikaria, Verlauf, Dauer und Lokalisation der Quaddeln, begleitendes Beschwerdebild, tageszeitliches Auftreten, physikalische Tests und Diäterfolg waren jeweils unabhängig vom Auftreten der AA. In beiden Patientenkollektiven spielte gleichermaßen die Behandlung von Schilddrüsenerkrankungen und eine Helicobacter pylori-Eradikation für die erfolgreiche Therapie der CU eine entscheidende Rolle. AA-positive Patienten wiesen z.T. eher intestinale Candidosen und HNO-Infektionen auf und hatten tendenziell häufiger erhöhte CRP- und BSG-Werte. In einer angeschlossenen Nachuntersuchung der AA-positiven Patienten nach durchschnittlich 17 Monaten fiel der AA-Nachweis in 19 von 20 Fällen negativ aus. Daher kann ferner davon ausgegangen werden, dass AA nur temporärer Natur sind und zur Gruppe der transienten Autoantikörper gezählt werden können. Sie stellen womöglich nur ein Epiphänomen einer zugrundeliegenden entzündlichen Erkrankung dar. Das Ergebnis der vorliegenden Arbeit unterstreicht die Bedeutung chronischer, häufig inapparenter Infektionen als mögliche Auslöser der CU und die aus diesem Grund im Vordergrund stehende Fokussuche mit entsprechender Therapie des Grundleidens; dies sollte grundsätzlich weiterhin auch unabhängig vom Auftreten von AA erfolgen. Vor dem Hintergrund dieser Arbeit muss das Auftreten von AA neu beurteilt werden.