Demokratische Gewalt? Prolegomena zu einer Kulturgeschichte der interpersonellen Gewalt im Klassischen Athen

Link:
Autor/in:
Erscheinungsjahr:
2011
Medientyp:
Text
Beschreibung:
  • Eine Kulturgeschichte der interpersonellen Gewalt des klassischen Athen, die eine Gesamtschau der zur Verfügung stehenden Evidenz des 4. Jahrhunderts vornimmt, muß die grundsätzliche Bedeutungsoffenheit der Quellen in Hinblick auf Gewalt konstatieren. Im täglichen Leben mußten die Athener jedoch sehr wohl die Grenzziehung zwischen legitimem und illegitimem Verhalten leisten. Dazu stellten sie öffentliche Räume zur Verfügung, in denen komplexe Aushandelungsprozesse stattfanden. Die Vergleichbarkeit von Gerichtsreden, Fluchtafeln und Komödien besteht in der rituellen Qualität ihrer ursprünglichen Aufführungskontexte. Gerade die Redner, welche die Grenzen des Erlaubten immer zu ihren Gunsten sowie zu Ungunsten ihres jeweiligen Gegners zogen, zeigen, daß hinter ihrer flexiblen Darstellung von Tatbestandsmerkmalen keine verbindliche Norm dessen stand, was noch akzeptable bzw. bereits inakzeptable Gewalt war. Eine ähnliche Bedeutungsoffenheit begegnet in den Fluchtafeln. Es mutet merkwürdig an, daß die Semantik des Fluchwortes „ich binde“ so breit ist, daß damit ein enormes Spektrum von Negativwünschen abgedeckt ist. Die Alte Komödie wiederum ist als fiktionales Medium grundsätzlich bedeutungsoffen. Allen Quellengattungen ist das performative Aushandeln legitimer Gewalt gemeinsam. Gemäß einem Grundprinzip der athenischen Demokratie entschied ein sanktionierendes Kollektiv in einem Ritual, das heißt vor Gericht die Richter, im Fluch die Unterweltgötter, über die Rechtmäßigkeit der Ausübung von Gewalt und deren Bedeutungsgehalt im Einzelfall.
Lizenz:
  • info:eu-repo/semantics/restrictedAccess
Quellsystem:
Forschungsinformationssystem der UHH

Interne Metadaten
Quelldatensatz
oai:www.edit.fis.uni-hamburg.de:publications/fca0ee2f-3b67-4b4a-bbf0-9652308e19ec