Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky
Erscheinungsjahr:
2021
Medientyp:
Text
Schlagworte:
Strahlentherapie
Mammakarzinom
MRT
Myokardschädigung
610: Medizin
ddc:610:
Beschreibung:
Verbesserte Behandlungskonzepte des Mammakarzinoms führen zu einem erhöhten Überleben von betroffenen Patienten, welches die Relevanz der therapieassoziierten, Kardiotoxizität als Morbiditäts- und Mortalitätsfaktor in den Fokus setzt. Diese prospektive Studie untersuchte longitudinal Labor- und Kardio-MRT-Parameter zur Erkennung einer frühen Kardiotoxizität. Die Patientenpopulation bestand aus 27 Patientinnen (56 ±14 Jahre), die eine Radiatio der linken Brust mit einer kumulativen Gesamtstrahlendosis von 48 ±4 Gy und einer jeweiligen Einzeldosis von 2 ±0,4 Gy erhielten. Die mittlere kardiale Einzeldosis war 2 ±2 Gy. Das Patientenkollektiv erhielt Labor-, sowie Kardio-MRT-Untersuchungen (3 Tesla Scanner, Ingenia, Philipps Medical Systems, Best, Niederlande) vor Beginn der linksseitigen Strahlentherapie (BL), 7 ±12 Tage nach Ende der linksseitigen Strahlentherapie (FU1) und 13 ±1 Monate nach der ersten Untersuchung (FU2). Es wurden kardiale Funktions- bzw. Volumenparameter, T1- und T2-Relaxationszeiten, das extrazelluläre Volumen (ECV) sowie das Vorkommen einer fokalen Myokardfibrose (LGE) untersucht. Bei FU1 wurde eine leichte Erhöhung des Troponin T Wertes detektiert (5 ±2 vs. 6 ±3 pg/ml, P<0,05), ohne dass jedoch der klinisch verwendete Grenzwert von 14 pg/ml bei einem Patienten überschritten wurde. Während die LV-Masse und die LVEF von FU1 zu FU2 konstant blieben, wurde eine leichte Abnahme von LVEDV von FU1 zu FU2 (75 ±11 vs. 72 ±11 ml/m2, P<0,01) und LVESV bei FU2 (27 ±6 ml/m2, P<0,05) beobachtet. Die globalen und apikalen T1- und T2-Relaxationszeiten sowie das ECV blieben dagegen konstant. Es konnte keine fokale Myokardfibrosierung nach abgeschlossener Radiatio beobachtet werden. Im Gegensatz zu anderen Studien haben wir ausschließlich einen leichten Troponin- Anstieg und eine leichte LV-Volumenänderung beobachten können. Die Troponin- Veränderung überschritt in keinem Fall den klinisch akzeptierten Grenzwert. Passend hierzu konnten keine T1- und T2-Veränderungen gefunden werden, als sensitiver Marker für einen Myokardschaden. Zusätzlich ergab sich kein Hinweis für eine Myokardnekrose im LGE-MRT und kein Hinweis für eine myokardiale Perfusionsstörung im Stress-MRT, sodass die alleinige linksseitige Brustbestrahlung anhand der vorliegenden Daten als sicher eingestuft werden kann. In Zukunft sollte insbesondere das Potential des T1- und T2-Mappings in weiteren prospektiven Studien mit langer Nachbeobachtungszeit und verschiedenen Strahlentherapiestrategien ausgeschöpft werden, um eine frühe Detektion von kardialen Folgen und eine Anpassung der Therapie zu ermöglichen.