Subjektive Einschätzungen der prozeduralen Fairness der Polizei und Jugenddelinquenz: Eine empirische Überprüfung der transnationalen Gültigkeit der Theorie der prozeduralen Gerechtigkeit
Die Theorie der prozeduralen Gerechtigkeit nimmt an, dass die Art und Weise, wie Repräsentanten des Strafrechtssystems ihre Kontakte mit Bürger*innen gestalten, erheblichen Einfluss auf deren Bereitschaft zur Normkonformität hat. Dazu vorliegende empirische Forschung in Kriminologie und Rechtspsychologie hat die Gültigkeit dieser Annahmen und die Effekte der Wahrnehmung des Handelns der Polizei vor allem in Bezug auf Erwachsene untersucht und überwiegend bestätigen können. Für Jugendliche liegen deutlich weniger Studien vor. Diese stammen zudem fast ausschließlich aus englischsprachigen Ländern. Die vorliegende Untersuchung zeigt auf der Grundlage von Daten aus repräsentativen Schüler*innenbefragungen, die im Rahmen des ISRD-3 durchgeführt wurden und n= 27 764 Jugendliche in 26 Ländern erreichten, dass die Annahmen der Theorie der prozeduralen Gerechtigkeit auch für Jugendliche und transnational in fast allen untersuchten Ländern bestätigt werden können. Je höher die Einschätzung der Praxis der Polizei als fair seitens Jugendlicher ausfällt, desto höher ist auch ihre Bewertung der Legitimität der Polizei und desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit delinquenten Verhaltens. Differenzen des Umfangs der selbstberichteten Delinquenz Jugendlicher zwischen Ländern sind insoweit in signifikantem Maße auch auf Unterschiede der Fairnesseinschätzungen und der Wahrnehmung der Legitimität der Polizei seitens der Jugendlichen zwischen diesen Ländern zurückzuführen. Die Ergebnisse verweisen auf die hohe kriminalpräventive Bedeutung der Sicherstellung prozeduraler Fairness des Handelns der Polizei in Interaktion mit Jugendlichen, was praktische Folgerungen u.a. mit Blick auf die Ausbildung von Polizeibeamten nahelegt.According to procedural justice theory, the quality of interactions between representatives of the criminal justice system and citizens has a considerable influence on their compliance with legal norms. Empirical research in criminology and legal psychology has investigated the validity of these assumptions, primarily with regard to adults and the effects of their perceptions of police behaviour. This research has largely confirmed the theory. However, there are far fewer studies available with respect to young people. Furthermore, these studies have been predominantly conducted in English-speaking countries. The present study shows, on the basis of data from representative student surveys conducted within the framework of ISRD-3 and reaching n = 27 764 young people in 26 countries, that the central hypotheses of procedural justice theory can be confirmed for young people in almost all countries under study. The higher the perceived procedural fairness and legitimacy of police, the lower the probability of self-reported delinquency at the individual level. At the aggregate level, differences in the prevalence of self-reported delinquency between countries were strongly linked to differences between these countries in the degree of perceived procedural fairness and legitimacy of the police. The results indicate, that procedural fairness of the police is very important with respect to youth crime prevention. Results of cross-national empirical research presented here have practical implications with regard to the training of police officers, among other things.