Situationsbezogene Analyse klinisch-rechtsmedizinischer Versorgung von Opfern zwischenmenschlicher Gewalt in Europa – eine Follow-up-Studie
,
Situational Analysis of medico-legal health services for victims of interpersonal violence against women and children - A Follow-Up Analysis
Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky
Erscheinungsjahr:
2010
Medientyp:
Text
Schlagworte:
Europavergleich
Folgestudie
medizinische Versorgung
domestic violence
legal medicine
610 Medizin, Gesundheit
44.72 Rechtsmedizin
Häusliche Gewalt
Hamburg / Institut für Rechtsmedizin
ddc:610
Häusliche Gewalt
Hamburg / Institut für Rechtsmedizin
Beschreibung:
Diese deskriptive Umfrage zum Thema der Versorgung von Gewaltopfern sollte einen europäischen Vergleich erzielen und die Entwicklungen der klinischen Rechtsmedizin seit der Datenerhebung in der Vorgängerstudie von 2003/2004 aufzeigen. Methode: Die 4 Themenschwerpunkte des vom IfR in Hamburg und dem Sozialministerium Hessen entwickelten Fragebogens waren die Struktur der rechtsmedizinischen Versorgung von Gewaltopfern (A), die rechtsmedizinische Einrichtung und angebotene Dienste zur Versorgung von Gewaltopfern (B), gesetzliche und durch das öffentliche Gesundheitswesen bedingte Rahmenbedingungen für klinisch-rechtmedizinische Untersuchungen (C) und Ansätze und Strategien einer in die rechtsmedizinische Dienstleistung implementierbaren Sekundärprävention (D). Es wurden 227 Teilnehmer, bestehend aus Instituten für Rechtsmedizin und Experten für forensische Krankenpflege in Europa, angeschrieben. Ergebnisse: Die Rücklaufquote der versandten Fragebögen betrug 41,4% / 2003/2004: 44,8 %. 92,6% der antwortenden Institute bieten klinische Rechtsmedizin zur Untersuchung und Begutachtung von Gewaltopfern an (2003/2004: 96%), 79,3% auch die Untersuchung von Kindern als Opfer von Gewalt. Neue Ergebnisaspekte aus dem Bereich der forensischen Krankenpflege blieben aufgrund mangelnder Antwortbeteiligung leider aus. Generell können als Ergebnisse folgende wichtige Aspekte zusammengefasst werden: 1. Mehr Flexibilität der rechtsmedizinischen Untersucher besonders in Deutschland 2. Leichter Anstieg von psychischer Gewalt als untersuchte Gewaltform 3. Zunahme des Angebotes zur Durchführung des Screeningtest auf STI 4. Mehrheitlich Kooperation mit spezialisierten Kinder- und Jugendgynäkologen bei Untersuchungen sexuell misshandelter Kinder 5. Leichte Verbesserungen in der Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Akteuren des medizinischen und psychosozialen Sektors 6. Deutsche Vorreiterrolle im Bezug auf das niederschwellige Angebot von klinisch-rechtsmedizinischen Untersuchungen und die Erreichbarkeit des Dienstes 7. Breitere Verteilung der Kosten auf verschiedene Kostenträger 8. Bessere Öffentlichkeitsarbeit 9. Große Teilnahme an Aus- und Weiterbildungsprogrammen Andere Ergebnisse zeigen aber auch, dass die Sammlung von Daten bezüglich der Gewaltopferversorgung noch nicht ausreichend geschehen ist. So muss weiter daran gearbeitet werden, dass in Zukunft durch derartige Datensammlungen Qualitätsstandards entworfen werden können, um so die Struktur der Versorgung verbessern zu können.