This paper develops the concept of ``founding scenes{''} in dialogue with Heinrich Popitz` sociology of power. Following recent work by Andrew Abbott and Richard Swedberg we examine a popular but rarely explicated form of theorizing in which theorems are developed by means of scenic gambits without using methodologically controlled empirical ``data.{''} Deploying the battle for deck chairs on a cruise ship as a founding scene in the proposed sense Popitz constructs an experimental reference to reality. This contribution analyzes how Popitz empirically anchors his theory of power in the scene and discusses the potentials and limitations of this strategy. In a final step, it generates general statements about the functions and effects of founding scenes for sociological theorizing.
Der Text entwickelt das Konzept der „Gründungsszene“ in Auseinandersetzung mit der Machtsoziologie von Heinrich Popitz. Im Anschluss an neuere Arbeiten von Andrew Abbott und Richard Swedberg beleuchten wir eine weit verbreitete, aber nur selten explizierte Form des Theoretisierens, bei der gehaltvolle Theoreme innerhalb eines Textes durch szenische Eröffnungszüge entwickelt werden, ohne dabei auf methodisch kontrollierte Beobachtungen zurückzugreifen. Durch eine Gründungszene wie den Kampf um Liegestühle auf einem Kreuzfahrtschiff stellt Popitz einen experimentellen Realitätsbezug her. Wir untersuchen, wie Popitz seinen Machtbegriff über die Szene empirisch auflädt, und arbeiten heraus, welche Potenziale und Beschränkungen damit einhergehen. Abschließend generieren wir mit Popitz und über ihn hinaus verallgemeinerbare Aussagen über Funktionen und Effekte von Gründungsszenen für die soziologische Theoriebildung.