Fortbildungsbedarf in der primärärztlichen Depressionsversorgung : Evaluation eines kompakten Fortbildungsangebots für Hausärzte
,
Training needs in the primary care depression treatment : Evaluation of a compact training offer for GPs
Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky
Erscheinungsjahr:
2014
Medientyp:
Text
Schlagworte:
Depressionsversorgung
primärärztlich
need assesment
primary care
training needs
depression
610 Medizin, Gesundheit
44.04 Ausbildung, Beruf, Organisationen
44.07 Medizinische Psychologie
44.10 Gesundheitswesen: Allgemeines
44.19 Gesundheitswesen: Sonstiges
Hausarzt
Allgemeinarzt
Depression
Weiterbildungsbedarf
Gap-Analyse
Evaluation
Weiterbildung
Defizit
Selbsteinschätzung
Sicherheit
ddc:610
Hausarzt
Allgemeinarzt
Depression
Weiterbildungsbedarf
Gap-Analyse
Evaluation
Weiterbildung
Defizit
Selbsteinschätzung
Sicherheit
Beschreibung:
Depressive Störungen gehören zu den häufigsten Beratungsanlässen in der ambulanten Versorgung (DGPPN 2009). Noch immer wird nur etwa die Hälfte der depressiven Stö-rungen vom Hausarzt diagnostiziert und lediglich ein Drittel der Patienten erhält eine leitliniengerechte Therapie (Schneider et al 2003). Es besteht primärärztlicher Fortbil-dungsbedarf in der leitliniengerechten Depressionsversorgung (Kratz et al. 2003, Bermejo et al. 2003, Härter et al. 2010). Ziel der vorliegenden Arbeit war es, den primärärztlichen Fortbildungsbedarf zum Thema Depression zu spezifizieren und die Durchführung und Ergebnisse eines 6-stündigen Fortbildungsprogrammes zu evaluieren. Das im Großprojekt ‚psychenet – Hamburger Netz psychischer Gesundheit‘ verankerte Teilprojekt ‚Gesundheitsnetz Depression‘ bildete den Rahmen für diese Untersuchung, indem die Hausärzte des Projekts als Stichprobe gewonnen wurden und eine verbindliche Fortbildung zu Beginn des Projekts evaluiert wurde. Die Datenerhebung erfolgte im Prä-Post-Design mit Hilfe von zwei im Rahmen der Dissertation entwickelten Fragebögen. Der Fortbildungsbedarf wurde anhand der Einschätzung des subjektiven Sicherheitsgefühls der Teilnehmer in verschiedenen Bereichen der leitliniengerechten Depressionsversor-gung vor Beginn und nach Absolvieren der Fortbildung, durch die Abfrage als fortbil-dungsrelevant eingeschätzter Themen und durch die Erhebung wahrgenommener Grün-de für Defizite in der Depressionsdiagnostik aus hausärztlicher Sicht untersucht. Zusätz-lich wurde die Fortbildung retrospektiv evaluiert. In der Selbsteinschätzung zur Sicherheit hinsichtlich verschiedener depressionsspezifi-scher Bereiche fühlten sich Hausärzte der Studie vor der Fortbildung ziemlich sicher darin, Depressionen zu erkennen, aber eher nicht sicher darin, sie leitliniengerecht zu diagnostizieren. Auch in anderen depressionsspezifischen Bereichen wurden Unsicher-heiten berichtet. Als Begründungen für Defizite in der Diagnostik gaben die Hausärzte vor allem externe Faktoren wie Zeitmangel, Fokussierung somatischer Krankheiten und Stig-matisierung des Krankheitsbildes der Depression an, welches im Widerspruch zu Befun-den der Literatur zu Gründen für Versorgungsdefizite (unzureichende Anwendung von Diagnostikkriterien und Leitlinienumsetzung, mangelhafte Erkennungsrate) steht. Zusammenfassend wird das Fortbildungskonzept in Inhalt und Durchführung „ziemlich“ positiv bewertet. Inhaltliche Stärken liegen in der Vermittlung von Screening- und Diag-nostikabläufen, Defizite in den Themen Psychopharmakotherapie, Umgang mit Suizidali-tät und Einschätzung von Behandlungsprognosen. Durch die Fortbildung erhöht sich die Einschätzung der hausärztlichen Sicherheit signifikant in nahezu allen Bereichen, am höchsten in den Bereichen leitliniengerechtes Screening und Diagnostik. Wenn sich Hausärzten eine Möglichkeit zur spezifischen Analyse ihre Unsicherheiten bietet, scheint sich die realistische Einschätzung ihrer Fortbildungsbedürfnisse zu verbessern.