Gleichgewichts- und Koordinationstraining vs. Nordic Walking Effekte zur Primärprävention und Sturzprophylaxe bei Senioren
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Balance and Coordinationtraining vs Nordic Walking Effects on primary prevention and fall prevention for seniors
Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg Carl von Ossietzky
Erscheinungsjahr:
2008
Medientyp:
Text
Schlagworte:
Sturzprävention
fll prevention
796 Sport
76.24 Sport für besondere Zielgruppen
Prävention
Senioren
Nordic Walking
Koordinationstraining
ddc:796
Prävention
Senioren
Nordic Walking
Koordinationstraining
Beschreibung:
Ziel der Arbeit ist es, einen bewegungswissenschaftlichen Beitrag zur Primärprävention von Sturzereignissen im Alter zu leisten. Dazu wurden die Bewegungsprogramme Gleichgewichts- und Koordinationstraining (GG+K) und Nordic Walking (NW) erstmalig in ihren Wirkungsweisen auf die intrinsischen Sturzrisikofaktoren Herz-Kreislauf-Leistung und Haltungsstabilität (im 45-Sek-Einbeinstand), sowie auf das gesundheitliche Wohlbefinden (physisch und psychisch) bei Senioren (n=91, Altersdurchschnitt 65 Jahre) miteinander verglichen und mittels einer Wartezeitkontrollgruppe (KG) überprüft. Die Probanden verteilten sich wie folgt auf die Gruppen: GG+K (n=31; w=17, m=14), NW (n=31; w=17, m=14) und KG (n=29; w=17, m=12). Unerwartet verbesserte das GG+K kardiale Parameter in höherem Maße als das NW. Die positive Beeinflussung der Haltungsstabilität durch das GG+K ist hinreichend belegt und konnte auch hier bestätigt werden. Das NW verbesserte ebenfalls die Gleichgewichtsleistung im 45-Sek-Einbeinstand. Interessanterweise konnte festgestellt werden, dass die Teilnehmenden des NW für die rechte Seite ihre Gleichgewichtsleistung durch reduziertes posturales Schwanken im Einbeinstand verbesserten, während die GG+K-TeilnehmerInnen mit erhöhtem posturalen Schwanken einen Zuwachs ihrer Gleichgewichtsleistung im Einbeinstand zeigten. Durch die beiden Bewegungsprogramme bilden sich zwei unterschiedliche, aber erfolgreiche Strategien der posturalen Kontrolle im Einbeinstand heraus. Das GG+K führte dabei zu einem aktiven Schwanken, wohingegen Teilnehmende des NW mit einem reduzierten Schwanken erfolgreich waren. Beide Programme zeigten positive Effekte auf das gesundheitliche Wohlbefinden. Da beide Bewegungsinterventionen zur Reduktion von Sturzrisikofaktoren beitragen können, sollten sie zu einem „Koordinations- und Nordic Walking“-Programm zusammengeführt werden. Dabei steht die Bewusstwerdung eigener Ressourcen, Kompetenzen, Fähigkeiten und Fertigkeiten der Senioren im Vordergrund. Die eigenen Fähigkeiten nach dem Prinzip des lebenslangen Lernens bis ins hohe Alter auszudifferenzieren, sollte als Grundsatz zur individuellen Sturzprävention gelten. Dabei sind die Auswirkungen der persönlichen Bewegungsbiografie auf motorische Kompetenzen im Alter bisher noch nicht ausreichend berücksichtigt und sollten bei weiteren Forschungsvorhaben fokussiert werden. Die Ergebnisse dieser Studie belegen weiterhin, dass die hier untersuchten Probanden in den Sommermonaten insgesamt aktiver sind. Diese Aktivität gilt es das ganze Jahr über zu konsolidieren. Immer, sowohl körperlich als auch geistig, in Bewegung bleiben, bildet die Grundlage für ein erfolgreiches, selbstständiges sturzfreies Altern. Ein kombiniertes „Koordinations- und Nordic Walking“- Programm kann hierfür einen motivierenden Bewegungsanlass darstellen.