Als im Jahr 1816 die Reste des ehemaligen Fürsterzbistums Salzburg endgültig der Habsburger-Monarchie eingegliedert wurden, war der gebürtige Mattseer Anton Diabelli bereits seit gut zehn Jahren in der Reichshauptstadt Wien ansässig und stand kurz vor der Gründung sei- nes ersten eigenen Musikverlags. Während Salzburg eine Zeit des Nie- dergangs erlebte, baute sich Diabelli in Wien als Verleger-Komponist ein gutbürgerliches Leben auf und erwarb sogar den Titel des „k.k. Hof- u. priv. Kunst- u. Musikalienhändlers“. In der Salzburger Provinz geboren und im Kapellhaus der Stadt von Michael Haydn ausgebildet, nutzte Diabelli seine ausgezeichnete mu- sikalische Erziehung zeitlebens vor allem, um seine eigenen Komposi- tionen und tausende Arrangements zeitgenössischer Komponisten zu verlegen. Dabei ist – wie zumindest Leopold Kantner 1958 bemerkte – besonders in seinen kirchenmusikalischen Kompositionen ein tiefe „[...] Verbundenheit mit dem alpinen Raum bemerkbar, die seinen Werken jenes volkstümliche Gepräge gab, das viel zu seiner Popularität im edlen Sinne des Wortes beitrug“. Im Beitrag wird der Frage nachgegangen, inwiefern in den Kompo- sitionen und Arrangements eines aufstrebenden Vertreters des Wie- ner Bürgertums Schichten und Rezeptionsfelder der zeitgenössischen Volksmusik aufspürbar sind und ob und wie diese Anklänge durch die Popularität von Diabellis Drucken auf die Volksmusik des 19. Jahr- hunderts zurückwirkten.