In diesem Beitrag wird der Blick darauf gerichtet, wie Normen in theoretischen Diskussionen und Konzeptionen der Liebe und ihrer Funktion in modernen Gesellschaften figurieren. Normen, so die grundlegende These, tauchen in diesen Diskursen doppelt auf. Einmal (etwa bei Michael Warner) erscheinen sie in ihrer bedrohlichen Form als Gefahr der Normalisierung für authentische, andersartige und alternative (queere) Weisen der intimen Begegnung und Selbsterfahrung; am entgegengesetzten Pol der Diskussion findet sich aber (etwa bei Axel Honneth) auch die Hoffnung auf die Normativität von Normen, die im Kontext des Liebens kritische und welterzeugende Formen annehmen können. Der Beitrag plädiert dafür, dass sich dieser vermeintliche Widerspruch als konstitutive Spannung soziologisch nutzbar machen lässt, wenn das analysierte Phänomen empirisch im Kontext einer Gesellschaft der Gegenwarten gedeutet wird. Hierzu werden (intime) Selbstdarstellungspraktiken interpretiert, die dem Autor in Paarinterviews begegnet sind. In dieser Konfrontation von empirischen Ergebnissen mit intimitätssoziologischen und -theoretischen Diskursen lässt gerade der radikale Bruch mit gängigen Kontinuitätsunterstellungen, den das Konzept einer Gesellschaft der Gegenwarten vorschlägt, den Zusammenhang von Normen und Liebe in einem neuen Licht erscheinen: die spezifische Normativität des Liebens entpuppt sich als eine konstitutive Norm der Normabweichung.