Fromme Einfalt und das atheistische Lumpenpack:Grenzbestimmungen im jiddischsprachigen Anarchismus

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Erscheinungsjahr:
2015
Medientyp:
Text
Beschreibung:
  • Rückkehrer zur jüdischen religiösen Tradition (Hebr. ba’ale-teshuvah, Jidd. bal-tshuves) stellten in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts ein weit verbreitetes Phänomen dar. Diese religiöse Neubestimmung war nicht unumstritten, insbesondere dann, wenn sich eine Gemeinschaft in einer freidenkerischen, stark atheistischen und antireligiösen Tradition verortete. In einer Debatte um religiösen Anarchismus, ausgetragen in der Wochenschrift Fraye Arbeter Shtime, ist eine Disparität der Argumentationsstrategien zu beobachten, die etablierte und davon abweichende Positionen spiegelt. Diese Unterschiede erlauben Rückschlüsse auf eine etablierte antireligiöse Tradition im jiddischen Anarchismus (Abschnitt 1). Darüber hinaus kann gezeigt werden, mit welchen rhetorischen Mitteln um die Grenzen der Gemeinschaft gerungen wurde (Abschnitt 2). Im Rahmen dieser Diskussion kritisierte ein Autor das Verhalten eines ‚Rückkehrers‘, der mit einer öffentlichen Zurschaustellung von Religiosität das für den wahren Freidenker ‚schickliche‘ Auftreten missachte. Insofern stellte diese Art der Rückkehr zu Religion die Grenze dar, die, sobald überschritten, das nicht mehr Zugehörige markierte, womit eine Nonkonformismus-Zuschreibung vorgenommen wurde (Abschnitt 3). Nicht religiöse Inhalte und Überzeugungen, sondern das öffentliche Präsentieren der religiösen Lebensweise führte zum Ruf nach Ausschluss.
  • Returnees to the Jewish religious tradition (Hebr. ba’ale-teshuvah, Yidd. bal-tshuves) constituted a wide spread phenomenon in the first half of the 20th century. This religious self-understanding was highly controversial, especially in communities that defined itself as being part of the freethinker movement with a prevailing atheist and antireligious tradition. In a debate in the Yiddish anarchist weekly paper Fraye Arbeter Shtime we observe a disparity of argumentative strategies, displaying those identifications that were established and those that contested the categories being in use. Such differences allow us to speak of an antireligious tradition within this community (part 1). With different rhetorical means Yiddish intellectuals and authors struggled over group boundaries, displaying strong polemics including devaluation (part 2). Acting out religiosity in public marked the tipping point – the polemics turned to exclude those who were classified as nonconformists (part 3). It was not certain religious principles or contents that lead to exclusion, but the public appearance and parading of a religious way of life.
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oai:www.edit.fis.uni-hamburg.de:publications/2af6c367-b5aa-4d40-af64-bb3583b7ab20